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Die Aufhebung des Testamentes

07.02.2018 10:12

Dr. Andreas Baumann, Fachanwalt SAV Erbrecht

Ein Testament beinhaltet eine einseitige, für den Verfasser nicht bindende Anord-nung auf den eigenen Todesfall. Jedes Testament kann somit vom Verfasser jederzeit widerru-fen werden. Dieser Widerruf stellt ein unverzichtbares Recht des Verfassers dar. Es ist zu empfehlen, dass bestehende Testamente sowohl durch ein Widerrufstestament (neues Tes-tament, welches das alte widerruft) als auch durch Vernichtung des alten Testamentes aufge-hoben werden. Dadurch wird erreicht, dass das bisherige Testament in keinem Fall massge-bend werden kann. Soll jedoch nur ein gewisser Teil eines bisherigen Testamentes aufgeho-ben werden, empfiehlt es sich, bei mehreren Änderungen einerseits das bestehende Testa-ment im neuen Testament ganz zu widerrufen und anschliessend zu vernichten, sowie ande-rerseits die noch gültigen Anordnungen als neues Testament zu verfassen. Es soll erreicht werden, dass alle massgeblichen Anordnungen in einem einzigen Dokument festgehalten und die bestehenden Anordnungen (früheres Testament) mit Sicherheit aufgehoben werden. Damit sind auch Unklarheiten im Zusammenhang mit einem stillschweigenden Widerruf aus der Welt geschafft.

Der Verfasser eines Testamentes kann sein Testament in einer für die Errichtung von Testa-menten vorgeschriebenen Form (eigenes Testament, öffentlich beurkundetes Testament) wi-derrufen. Der Verfasser ist dabei nicht an die Errichtungsform des bestehenden Testamentes gebunden. Er kann somit zum Beispiel ein eigenhändiges Testament mittels eines öffentlichen Testamentes oder auch mittels Erbvertrag aufheben.

Wenn immer möglich ist ein Testament durch schriftlichen Widerruf aufzuheben. Dabei sollte das Datum des oder der bisherigen Testamente genannt werden. Dadurch können etliche Streitpunkte eliminiert werden, wie etwa im Zusammenhang mit vorhandenen Kopien oder Abschriften.

Das schweizerische ZGB enthält keine ausdrückliche Regelung für den Fall, dass ein Widerruf eines Testamentes seinerseits widerrufen wird. Durch einen solchen Widerruf des Widerrufs löst das ursprüngliche, widerrufene Testament wieder auf. Dies trifft nicht nur für den Fall zu, dass dem Inhalt des wiederauflebenden Testamentes zusammen mit dem Widerruf des Wider-rufs wieder neu festgehalten wird, sondern auch dann, wenn das wiederauflebende Testament damals durch Vernichtung widerrufen wurde. Dies betrifft alle Arten der Vernichtung, somit auch solche, bei welcher das Original des wiederauflebenden Testamentes vollständig zerstört wurde und der Inhalt des Testamentes sich nur anhand von Kopien oder anderer Unterlagen rekonstruieren lässt. Es ist somit nicht erforderlich, dass der letzte Wille noch in Testaments-form vorhanden ist. Es ist aber selbstverständlich erforderlich, dass in dem den Widerruf auf-hebenden Testament der Wille des Verfassers zum Ausdruck kommt, das ursprüngliche, wi-derrufene Testament solle wieder Gültigkeit haben.

Bei der amtlichen Hinterlegungsstelle (im Kanton Aargau: Bezirksgerichtspräsidium) hinterleg-te Testamente sind zweckmässigerweise im Falle der Aufhebung zurückzuverlangen und zu vernichten.

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