Die Absicherung des Unternehmers im Hinblick auf eine Scheidung

Dominik Probst, Rechtsanwalt

Während der Vorbereitung für die Hochzeit kommt die Frage nach einem Ehevertrag meistens nicht sehr gut an. Das Thema wird also grosszügig ausgeklammert, was dazu führen kann, dass man sich einige Jahre später in einer misslichen Situation wiederfindet. Nämlich dann, wenn während der Ehe der ganze berufliche Ertrag in das (Familien-)Unternehmen investiert worden ist und man ausser den Gesellschaftsanteilen nicht viel mehr besitzt.

Ohne besondere Vereinbarung mittels Ehevertrag unterstehen die Ehegatten dem ordentlichen Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung. Das führt im Falle einer Scheidung dann oft zur hälftigen Teilung des Unternehmens. Da dies jedoch in den allermeisten Fällen unmöglich ist, wird der eine Ehegatte unter Umständen zu einem Verkauf des Unternehmens gezwungen. Diese Situation kann (auch zu einem späteren Zeitpunkt nach der Heirat) durch einen Ehevertrag verhindert werden, ohne den anderen Ehegatten zu benachteiligen.

In der Praxis gibt es zahlreiche Möglichkeiten, welche im Hinblick auf eine drohende Scheidung mittels Ehevertrag getroffen werden können. So ist der Unternehmer mit einer Gütertrennung bereits oft gut beraten. Diese bietet sich aber vor allem an, wenn beide Ehegatten finanziell unabhängig sind. Im Rahmen der Errungenschaftsbeteiligung kann mittels Ehevertrag eine Quote am Vorschlag oder ein (fixer) Betrag vereinbart werden, welcher der eine Ehegatte im Falle einer Scheidung dem andern zu entrichten hat. Oder es können bestimmte Güter anstatt der Errungenschaft dem Eigengut zugewiesen werden. In bestimmten Konstellationen bietet sich sogar eine beschränkte Gütergemeinschaft an, bei welcher ebenfalls bestimmte Güter dem Eigengut zugewiesen werden können.

In jedem Fall empfiehlt es sich aber, die nötigen Vorkehrungen in Zeiten des Friedens und der Harmonie zu treffen, da es niemals „DIE“ Lösung gibt. So ist durch ein gemeinsames Vorgehen einerseits garantiert, dass gemeinsam ein individuelles und passendes Ergebnis gefunden werden kann, welches dann auch für beide Seiten stimmig ist. Andererseits können dadurch aber auch langwierige und kostspielige Prozesse vermieden werden.

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Die Tücken beim gemeinsamen Mietverhältnis

Rudolf Studer, Rechtsanwalt

Ehewohnungen, Studentenwohngemeinschaften oder Konkubinatspaare, die zusammen in einer Wohnung leben – Personengemeinschaften im Mietverhältnis – kommen sehr häufig vor. Bei einer solchen gemeinsamen Miete stellen sich verschiedene Fragen: Wie gestaltet sich das Verhältnis unter den gemeinsamen Mietern? Von wem muss eine allfällige Kündigung ausgehen und an wen muss sich diese richten? Müssen immer beide unterschreiben oder reicht eine Unterschrift? Das Gesetz regelt viele dieser Fragen nicht abschliessend, weshalb praxisgerechte Lösungen aus Lehre und Rechtsprechung umso wichtiger sind.

Ob es sich wirklich um ein gemeinsames Mietverhältnis handelt, geht meist ausdrücklich aus dem schriftlichen Mietvertrag hervor, worin die Mieter- und Vermieterparteien aufgeführt werden. Beim gemeinsamen Mietverhältnis wird jeweils das Innen- und Aussenverhältnis unterschieden. Ersteres bezeichnet die Personengemeinschaft unter sich und letzteres besteht zwischen der Mietergemeinschaft und dem Vermieter. Das Innenverhältnis untersteht den Bestimmungen der jeweiligen Gemeinschaft (z.B. eheliche Gemeinschaft, Erbengemeinschaft, Miteigentümergemeinschaft, einfache Gesellschaft usw.), das Aussenverhältnis untersteht dem Mietrecht.

Eine gemeinsame Mieterschaft zum Zwecke des gemeinsamen Wohnens bildet üblicherweise eine einfache Gesellschaft, womit die Mieter solidarisch d.h. beide alleine unbeschränkt für die ganze Forderung aus dem Mietvertrag haften. Folgend daraus steht das Recht für eine von der Mieterschaft ausgehende Kündigung jeweils nur allen Mitmietern zusammen zu. Es reicht jedoch ein einziges Kündigungsschreiben, das von allen unterzeichnet wird. Fehlt die Unterschrift und Zustimmung einer Mieterpartei, so ist die Kündigung ungültig. Dasselbe gilt für die Anfechtung der Mietzinserhöhung oder eine Anfechtung der Kündigung des Vermieters, denn auch diese muss von allen Mitgliedern der Gemeinschaft getragen werden. Zu beachten ist dabei insbesondere, dass ein Mitmieter auch dann noch vertraglich gebunden bleibt und solidarisch haftet, wenn er die Wohnung während des Mietverhältnisses verlässt und nicht ausdrücklich von seinen Verpflichtungen durch Vermieter und Mitmieter befreit wurde. Erfolgt also die Anfechtung bei der Schlichtungsbehörde z.B. nur von einem Mitmieter, so wird die Klage abgewiesen. Eine Ausnahme besteht dann, wenn sich die Anfechtungsklage gleichzeitig auch noch gegen die übrigen Mieter richtet. Eine von der Vermieterschaft ausgehende Kündigung muss sich ebenfalls an die gesamte Mietergemeinschaft richten, kann aber mit einem einzigen amtlich genehmigten Kündigungsformular ausgesprochen werden, wenn alle Namen der Mieter aufgeführt sind. Sind die Mieter jedoch verheiratet, kommen die speziellen Bestimmungen über die Familienwohnung zur Anwendung.

Eine Familienwohnung ist eine Wohnung in der die Ehegatten bzw. die eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partner ihren gemeinsamen Haushalt und Wohnsitz haben und die ihnen als Lebensmittelpunkt dient. Kinder sind keine Voraussetzung für eine Familienwohnung. Bei der Kündigung besteht für die Familienwohnung ein besonderer Schutz, da verhindert werden soll, dass ein Ehegatte oder Partner ohne Zustimmung oder richterliche Anordnung das Recht zur Benutzung seiner Familienwohnung verliert.

Der Mietvertrag kann von einem Ehegatten bzw. eingetragenen Partner oder von beiden zusammen unterzeichnet werden. Unterschreiben beide Partner den Mietvertrag, so haften sie solidarisch, andernfalls haftet der Unterschreibende alleine. Unabhängig davon, muss die Kündigung des Vermieters aber in Form eines amtlichen Kündigungsformulars jedem Ehegatten separat d.h. mittels zwei getrennten Schreiben zugestellt werden. Aus Beweisgründen erfolgt dies am besten per Einschreiben. Erfüllt der Vermieter diese Kündigungsvorschriften nicht, so ist die Kündigung von Anfang an ungültig. Dieselben Vorschriften gelten auch bei einer Mahnung mit Kündigungsandrohung von Seiten des Vermieters.

Eine Kündigung der Familienwohnung durch den Vermieter kann im Unterschied zur normalen Mietergemeinschaft auch ein Ehegatte oder eingetragener Partner alleine anfechten, dies wiederum unabhängig davon, wer den Mietvertrag unterzeichnet hat. Die Kündigung durch einen Mieter ist hingegen nur unter ausdrücklicher Zustimmung des anderen Ehegatten oder Partners möglich. Diese kann auch mündlich erfolgen, aus Beweisgründen sollte der Vermieter aber stets eine schriftliche Bestätigung verlangen. Erfolgt die Kündigung ohne Zustimmung des Partners, ist auch diese ungültig.

Beim gemeinsamen Mietverhältnis muss also auf den Mietvertrag abgestellt werden um die verschiedenen Vertragsparteien zu bestimmen. Gibt es mehrere Mieterparteien und handelt es sich nicht um eine Familienwohnung, so muss die Mietergemeinschaft bei der Anfechtung oder Kündigung stets als Gesamtheit agieren und vom Vermieter insb. bei der Kündigung auch als solche behandelt werden. Bei der Familienwohnung hat der Vermieter die Kündigung immer an beide Ehepartner separat zuzustellen und diese kann durch einen Partner alleine angefochten werden.

Aufgrund der zahlreichen Vorschriften und der damit verbundenen grossen Fehlerquelle ist es unabdingbar, sich vorher über die Anforderungen zu informieren.

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Handgeschriebenes Testament und Computer: Geht das?

Dr. iur. Andreas Baumann
Fachanwalt SAV Erbrecht
Rechtsanwalt
und Notar

Aufgrund von Art. 505 Abs. 1 ZGB besteht die Vorschrift, dass von Hand geschriebene Testamente gültig sind, wenn sie von Anfang bis zum Ende eigenhändig geschrieben wurden. Das Bundesgericht hat sich kürzlich mit einem Fall befassen müssen, in welchem der Erblasser auf dem Computer „eigenhändig“ ein Testament verfasst hat, dieses dann ausgedruckt und mit seiner Unterschrift versehen hat. Es stellte sich die Frage, ob der Begriff des „eigenhändigen Testamentes“ auch mit der Computer-Schrift erfüllt werden kann.

Das Bundesgericht hat Art. 505 ZGB so ausgelegt, wonach der Begriff „eigenhändig“ ein persönliches Niederschreiben verlange, wobei der Erblasser das Schreibgerät selber führen und ein Schriftbild entstehen müsse. Das Selbstschreiben solle den Testierwillen unterstreichen, zudem könne ein eigenhändig geschriebener Text dem Erblasser weniger gut untergeschoben werden, als ein vorgedrucktes Dokument. Schon früher hat das Bundesgericht entschieden, dass ein Testament, welches mit Schreibmaschine geschrieben wurde, nicht gültig ist. Die strenge Formvorschrift von Art. 505 Abs. 1 ZGB will die Authentizität des Testamentes garantieren. Im Streitfall sind nämlich eigenhändig verfasste Texte einer kriminaltechnischen Schriftanalyse besser zugänglich als maschinengeschriebene oder bloss handschriftlich unterzeichnete.

Ein eigenhändiges Testament muss somit wie bisher mit einem Kugelschreiber oder Füllfederhalter geschrieben werden. Die Computertechnik ist somit kein Ersatz für das traditionelle Schreiben von Hand.

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Personaldossier; Datenschutz und Einsichtnahme

Martin Strobel, Rechtsanwalt

Die Frage wer und in welchem Umfang ein Recht auf Einsicht in Personaldossiers hat, stellt Personalverantwortliche oft vor schwierige Fragen. Zwar gibt es keine direkte bundesrechtliche Pflicht, Personaldossiers zu führen, doch leitet sich diese Pflicht indirekt von verschiedenen anderen gesetzlichen Normen ab. Nur schon die diversen Abrechnungs- und Meldepflichten bei Sozialversicherungen oder das Ausstellen eines Zeugnisses lassen sich ohne Personaldossier kaum vernünftig erfüllten. Auch aus Praktikabilität und Beweisgründen empfiehlt es sich, Personaldossiers zu führen. Zu denken ist unter anderem an Zielvereinbarungen, die zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beschlossen werden und deren Erreichen anhand von Unterlagen und Dokumenten überprüft werden muss. Um das Führen von Personaldossiers kommt man in der Praxis nicht herum.

Im Zusammenhang mit der Frage, wer und in welchem Umfang ein Einsichtsrecht in Personaldossier hat, stellt sich zuerst einmal die Frage, ob ein Personaldossier eine Datensammlung im Sinne des Datenschutzgesetzes ist. Dies ist unzweifelhaft der Fall. Unwesentlich ist dabei die Art der Datensammlung, also deren Systematik, Ordnung oder die Speicherungsart. Zusätzlich zum Datenschutzgesetz gelten aber auch das Arbeitsrecht gemäss schweizerischem Obligationenrecht und Arbeitsgesetz. Dieses Arbeitsrecht legt einen noch strengeren Massstab an, als das Datenschutzgesetz. So darf bspw. der Arbeitgeber nur Daten bearbeiten, die für die Eignungsprüfung für das Arbeitsverhältnis bzw. für die Erfüllung des Arbeitsvertrages erforderlich sind. Arbeitnehmerdaten, die keinen Bezug zum Arbeitsplatz haben, sind somit unzulässig. Dies gilt sogar, wenn eine Einwilligung des Arbeitnehmers vorliegen würde.

Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Datenschutzgesetzes hat ein Arbeitnehmer das Recht, mittels eines Gesuches über den Inhalt seines Personaldossiers informiert zu werden. Dieses Auskunftsrecht ist an keine speziellen Bedingungen gebunden. Der Arbeitnehmer muss weder ein schützenswertes Interesse noch eine Persönlichkeitsverletzung glaubhaft machen. Das Recht umfasst alle vorhandenen Daten, ausgenommen von persönlichen Notizen von Vorgesetzten, welche auch nicht an Dritte bekannt gegeben werden müssen. Zu denken ist bspw. an Notizen im Zusammenhang mit Mitarbeitergesprächen. Die Verweigerung oder Beschränkung eines Auskunftsbegehrens kann zulässig sein, muss jedoch sehr gut begründet werden. Es müssen überwiegend private oder öffentliche Interessen dem Auskunftsgesuch entgegenstehen. Was die Form betrifft so kann auf Art. 8 Abs. 5 des Datenschutzgesetzes verwiesen werden, wonach ein Arbeitnehmer grundsätzlich das Recht auf schriftliche Auskunft mittels Fotokopien hat. Die Herausgabe hat kostenlos zu erfolgen.

Dieser Tatsache sind sich viele Personalverantwortliche nicht bewusst und beschränken jeweils das Recht des Arbeitnehmers auf eine Einsichtnahme ins Personaldossier. Eine solche Beschränkung ist nicht zulässig. Nicht empfohlen wird die Herausgabe des Original-Personaldossiers. In der Regel wir dies nur einem Rechtsvertreter des Arbeitnehmers zugestellt im Rahmen einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung. Dabei sollten unbedingt Sicherungskopien behalten werden.

Stellt ein Arbeitnehmer nach Einsichtnahme in sein Personaldossier fest, dass darin fehlerhafte Daten enthalten sind, hat er ein Recht auf Berichtigung. Dieser Anspruch umfasst aber nicht reine Werturteile. Er beschränkt sich auf Informationen, die einen konkreten Tatsachenbezug aufweisen. Sind die Daten unzulässigerweise erhoben worden oder dürfen nicht oder nicht mehr bearbeitet werden, hat der Arbeitnehmer zudem ein Recht auf Vernichtung bzw. Löschung dieser Daten.

Die Ablehnung eines Auskunftsgesuches über den Inhalt des eigenen Personaldossiers ist also nur in ganz wenigen Ausnahmefällen möglich. In der Regel ist das Auskunfts- und Einsichtsrecht zu gewähren.

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Neuer Partner

Wir freuen uns mitteilen zu können, dass wir seit anfangs April mit Herrn Rechtsanwalt Dominik Probst einen neuen Partner in unserer Kanzleigemeinschaft begrüssen dürfen.

Der aus Olten stammende Dominik Probst schloss sein Studium an der Universität Luzern im Jahre 2011 mit dem Master of Law ab. Nach den Praktika bei verschiedenen Gerichten und der Staatsanwaltschaft arbeitete er während zwei Jahren bei einem juristischen Verlag und gründete eine Online-Rechtsberatung. Nach erfolgreicher Anwaltsprüfung 2014 war Dominik Probst für Ernst & Young im Bereich Legal, Regulatory and Compliance für Banken sowie in einer mittelgrossen Wirtschaftskanzlei tätig. Dominik Probst ist zudem Untersuchungsrichter am Militärgericht 4.

Die bevorzugten Tätigkeitsgebiete von Dominik Probst sind das Vermögensverwaltungs- sowie das Arbeits- und Mietsvertragsrecht, das Gesellschaftsrecht und die rechtliche Beratung von KMUs. Durch die Aufnahme von Dominik Probst erfährt unsere Kanzlei eine erhebliche Stärkung in den Gebieten des Vertrags-, Gesellschafts- und Wirtschaftsrechts.

 

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